Krankheit
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Hier nun mein Krankenbericht:

jan04.jpg (72456 Byte)Ich wurde erst in der 43. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geboren. Bis zu dem Zeitpunkt wusste man nicht was da "rauskommt". Ich wurde mit einer lymphatischen Gefäßfehlbildung (Lymphangiom) mit Hämangiomanteilen(?) in der linken Gesichtshälfte, Zungen-, Zungenboden-, Rachen-, Brustbereich geboren. Ich wurde sofort in ein anderes Krankenhaus gebracht (Uni-Krankenhaus Eppendorf). Dort traf ich zu meinem Glück auf Prof. Hellwege, der einfach per Taschenlampe meine spezielle Gefäßerkrankungokt85.jpg (81494 Byte) feststellte und auf Prof. Höltje. Ich wurde dann künstlich beatmet und nach einer Woche das erste Mal operiert. Im Januar kam ich dann das erste Mal nach Hause. Ich verbrachte knapp ein halbes Jahr auf der Intensivstation in der Haunerschen Kinderklinik in München, wo meine Gefäßfehlbildung in weiteren OP's reduziert wurde. Bei einer dieser OP’s wurde der Gesichtsnerv durchtrennt. In Hamburg hatte ich zwei Atemstillstände (Februar und Oktober 1984) und konnte durch Wiederbelebungsmaßnahmen ins Leben zurückgeholt werden. Bis zu meinem 5. Lebensjahr besaß ich einen Luftröhrenschnitt, genauer gesagt von 1984-1989. juli84.jpg (93188 Byte)Ob man es glaubt oder nicht, ich habe trotzdem "ein ganz normales Leben" geführt und konnte nach einiger Zeit sogar mit der Kanüle sprechen und singen. Ich war in der Spielgruppe mit ganz normalen Kindern, Kindergarten und Grundschule. Das Lymphangiom machte in dieser Zeit keine Probleme. Ich wurde 1993 erneut (eher aus kosmetischen Gründen) an der linken Gesichtshälfte operiert. Mir wurde eine Facia-Lata-Plastik aus dem rechten Oberschenkel entfernt und somit mein Mundwinkel "aufgehängt". Ich ging auf ein Gymnasium, welches ich aber nach der 6. Klasse verlassen musste, da ich dreimal am Kiefergelenk operiert werden musste. Ich machte 2001 meinen Realschulabschluss und schloss meine Schulkarriere 2004 mit dem Abitur an einem Wirtschaftsgymnasium ab.

Das war's zur Vorgeschichte.....

Mein Tumor ist gutartig, aber im Sommer 2002 hatten sich Blutblässchen an der vorderen Zungenspitze gebildet und mir wurde im Oktober ein kleiner Teil der Zunge operativ entfernt. - Blutung gestoppt -
Zu dieser Zeit liefen im Radio Lieder von Grönemeyer ("Mensch"), Ozzy Osbourne ("Dreamer") oder Santana ("Game of Love").
 
Im Sommer 2003 war innerhalb von wenigen Stunden der Rachen zu geschwollen (22h noch Brot gegessen, um 3h konnte ich noch nicht mal mehr Wasser trinken). Meine Eltern waren im Urlaub und ich bin dann per Taxi ins Krankenhaus gefahren und dachte, es wäre nur die Zunge, die die Probleme machen würde. Ich war dann nach einigen Tagen, als ich wieder flüssige Nahrung zu mir nehmen konnte, gegen den Willen der Ärzte nach Hause gegangen. Mein Professor war zu der Zeit leider nicht da. Nach 2 MRT-Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Tumor im Rachenbereich (nach 19 Jahren !!!) nachgewachsen war. Mir wurde in einer 3stündigen Operation, wobei ich über einen Liter Blut verlor, ein faustgroßer Tumoranteil von außen entfernt. - Erfolgreich - Natürlich hatte ich, wie nach fast jeder der letzten OP’s, einen Abszeß und trug noch 3 Wochen einen Schlauch im Hals.
Durch diese Zeit begleiteten mich Lieder von Matchbox 20 ("Unwell"), Kym Marsh ("Cry"), One-T feat. Cool-T ("The Magic Key") oder Sheryl Crow ("The First cut is the deepest").
 
Im April 2004 hat sich innerhalb von wenigen Stunden ein Tumoranteil auf der Epiglottis (Kehldeckel) um das Dreifache vergrößert, sodass ich diesen in die Luftröhre eingezogen habe (Lebensgefahr!). 36 Stunden später wurde ich in der Uni-Klinik in Gießen operiert und der Tumoranteil zum größten Teil entfernt. Bei vorigen Untersuchungen hatte man diesen Tumoranteil bereits entdeckt, diesen aber für harmlos gehalten. Die Meinung eines Patienten zu den vorigen Untersuchungsbildern findet heutzutage kaum Gehör. Was keine positiven Folgen hat.
In den Radiostationen wurden Anastacia ("Left Outside Alone") oder Blue ("Breathe Easy") gespielt.

Im Juni 2007 wurde ich nach langer Vorplanung erneut operiert. Diese Operation sollte eine Art "Abschlussoperation" werden, zumindest was die äußerlich sichtbaren Folgen der Tumorerkrankung betraf. Eine primär kosmetische Korrektur, wobei wir uns nur auf drei kleinere Bereiche beschränkt haben. Die Ursprungsidee für diese OP entstand bereits in der frühen Kindheit. Für diesen Eingriff muss das Knochenwachstum abgeschlossen sein, daher war dies erst jetzt möglich. Aufgrund der Tumorentwicklung in den vergangenen Jahren haben wir davon Abstand genommen eine Unterkieferverlängerung durchzuführen, da dieser Eingriff womöglich intakte Funktionen, wie Schluckakt und Atmung, hätte negativ beeinflussen können. Meine Erwartungen an diese OP waren sehr gering, da ich mir auch keine großen Hoffnungen machen wollte, die dann womöglich enttäuscht werden könnten. Das Vertrauen in meinen Professor war wie immer voll vorhanden und ich war davon überzeugt, dass wir ein vorzeigbares Ergebnis vorweisen könnten.
 Bei dieser zweieinhalbstündigen Operation wurden ein Kinnaufbau, eine Tumormassenverschiebung und eine Teilresektion der Lippe durchgeführt. Der Aufbau des Kinns gestaltete sich dabei schwieriger als vorher angenommen. Das dafür benötigte Material sollte aus dem rechten und linken Unterkiefer stammen. Leider konnte nur Knochenmaterial aus dem rechten Unterkiefer verwendet werden, da es unmittelbar nach Anbohren des linken Unterkiefers zu massiven Blutungen aus dem selbigen kam (...Tumoranteile auch in diesem Knochen vorhanden!?...). Mit einem tonähnlichen Material und dem Knochenanteil des rechten Unterkiefers wurde dann ein Kinn modelliert und mit zwei Schrauben fixiert. Bei der Tumormassenverschiebung wurde ein Teil des Tumors vom vorderen in den hinteren Bereich verschoben. Abschließend wurde ein kleiner Anteil im linken Lippenbereich entfernt. Dank einer zehntägigen Antibiotika-Gabe wurde mir ein Abszess erspart.

Aus den Funkstationen erklangen Lieder von Rob Thomas ("Little wonders"), Snow Patrol ("Shut your eyes") oder Kaiser Chiefs („Ruby“) gespielt.  
[Sie können sich hinter folgendem Link ein paar Fotos anschauen, die direkt nach der Operation aufgenommen wurden. Diese Fotos können eine abschreckende Wirkung besonders auf Kinder haben, daher überlegen Sie sich gut, ob Sie diese Fotos Sich/Ihnen zumuten können: OP-Bilder]

Der Tumor wächst anscheinend von hinten im Rachen nach und entzündet sich sehr leicht. Wenn dieses der Fall ist, dann kann ich nichts mehr schlucken und muss mit Antibiotika und Kortison behandelt werden. Nach einigen Tagen kann ich dann wieder schlucken. Eine Operation in diesem Bereich ist den Ärzten (noch) zu gefährlich, wichtige Gefäße und Nerven, die meinen jetzt schon komplizierten Schluckakt unterstützen, könnten beschädigt werden.

Ich wurde bis jetzt insgesamt ca. 24 mal operiert. Durch diese Operationen konnte zwar der größte Teil des Tumors entfernt werde, aber besonders im Bereich lebenswichtiger Areale (Kehlkopf, Zunge, Gefäße) ist eine komplette Entfernung unmöglich. In diesen Bereichen kann der Tumor weiter wachsen oder bei Entzündungen anschwellen. Mein Prof. Höltje, dem ich viel zu verdanken habe und sehr schätze, hat auch schon gesagt, dass das, was im Sommer 2003 passiert ist, immer wieder auftreten könnte.

Ich habe seit November 2003 über die Homepage meiner Krankheit (Lymphangiom.de) Kontakt zu vielen anderen Betroffenen gefunden. Seitdem habe ich gut 30 Familien/Patienten europaweit "betreut" (u.a. Deutschland, Schweiz, Österreich, Rumänien und Litauen). An dieser Stelle will ich Frau Beeren meinen Dank aussprechen, die diese Homepage ins Leben gerufen hat. Im Januar 2006 gab es ein nationales Lymphangiom-Treffen in Berlin, mit über 100 Teilnehmern. Im Sommer 2007 habe ich eine Famulatur (=medizinisches Fachpraktikum) in Berlin gemacht, wo man sich mit dieser und anderen Gefäßfehlbildungen beschäftigt. Am "1st International Symposium on Hemangiomas and Vascular Malformations of Head and Neck" habe ich im Februar 2008 teilgenommen und im Juni 2008 in Cincinnati (Ohio, USA) ebenfalls eine spannende, interessante, aber auch anstrengende Famulatur absolvieren dürfen (-siehe Fotos in der Bildergalerie-). Hier wurde ich von meinem "host-doctor", den ich bei dem Symposium im Februar 2008 kennen gelernt habe, in die Behandlung von Gefäßfehlbildungen und Hämangiomen eingebunden, habe viele Fälle in den wöchentlichen Sprechstunden kennen gelernt und alle Operationen begleitet.

 

Neben Lymphangiom.de unterstütze ich "Löwenkind", eine Initiative, die schwerkranke Kinder unterstützt. Sie kamen auf mich zu und ich bin ihrer Einladung zu einem Interview nach Berlin im Februar 2005 gefolgt und habe etwas über mein Leben mit der Krankheit erzählt. Dieses Projekt wurde auf den Namen "Zwischenstation" getauft und wird u.a. von der "Aktion Mensch" unterstützt. Diese Homepage ist mit sehr viel Liebe und Aufwand gestaltet worden. Mein Interview kann man sich anhören, wenn man auf das Logo klickt. Kleiner Tipp: Am schnellsten kommt man zum Interview mit "Madame Spritze" indem man nach dem Betreten der Zwischenstation die Tür zur "Redaktion" und dann die Tür zum "Interview", jeweils mit einem Doppelklick, öffnet.

Beim ersten Filmprojekt "Treppenläufer" von Löwenkind war ich selbst an der Drehbuchgestaltung für meinen Teil beteiligt. Hierbei bin ich u.a. in die Rolle von "Dr. House" geschlüpft. Das Ziel dieses Filmprojekts beschrieb Läwenkind wiefolgt: Anstelle der üblichen Medienklischees wollten wir Geschichten und Filmbilder schaffen, in denen die Betroffenen aus ihrer eigenen Sicht über ihr Lebensgefühl erzählen konnten, über ihre Wünsche und Träume, ihre Probleme und Hoffnungen, ihren eigenen, besonderen Weg im Leben.  

"Löwenkind e.V." ist mit dem Projekt "Zwischenstation" im Februar 2006 mit dem "HanseMerkur Preis für Kinderschutz (Anerkennungspreis) 2005" von Frau Köhler ausgezeichnet wurden.

 

 

Durch diese Krankheit ist meine Zukunft ungewiss, man weiss nie, wann, wo und wie ausgeprägt der Tumor Probleme macht.
Ich kann diese Krankheit nie besiegen, nur mit ihr Leben.
 
- Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren -
(Danke an Charlotte, Heidi, Nora, Sandra und Tim)